Der EC Neuried auf Abwegen – Besichtigung der U-Bahn-Station im Bau in Martinsried

Text und Bilder: Frank Baumgart

Am 24.9.26 fand eine Besichtigung der im Bau befindlichen U-Bahn-Station in Martinsried statt. Wir haben das Glück, dass eines unserer Mitglieder – Tobias Kleist – als Polier bei der Baustelle arbeitet und uns diese Möglichkeit angeboten hat. Die Führung bot den Teilnehmern einen interessanten Einblick in den Fortschritt des Projekts und die technischen Herausforderungen beim Bau der neuen Station.

Die Verlängerung der U-Bahn-Linie U6 vom Klinikum Großhadern nach Martinsried gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Würmtal. Mit der neuen Endstation erhält Martinsried erstmals einen direkten Anschluss an das Münchner U-Bahn-Netz. Davon profitieren insbesondere die Beschäftigten, Studierenden und Besucher des Campus Martinsried mit seinen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und dem Universitätsklinikum.

Eine besondere Herausforderung beim Bau war die unmittelbare Nähe zu den Gebäuden des LMU-Campus und des Klinikums. Die Tunnel- und Stationsbauwerke mussten so geplant werden, dass der laufende Forschungs-, Lehr- und Krankenhausbetrieb möglichst wenig beeinträchtigt wird. Gleichzeitig waren hohe Anforderungen an Erschütterungs-, Lärm- und Grundwasserschutz zu erfüllen.

Während des Rundgangs konnten die Teilnehmer die Dimensionen der Baustelle aus nächster Nähe erleben. Besonders beeindruckend waren die Größe der Baugrube, die bereits fertiggestellten Tunnelbereiche sowie die aufwendige Beton- und Stahlkonstruktion der künftigen Bahnsteige und die immense Deckenkonstruktion. Tobias erläuterte die einzelnen Bauphasen und gab Auskunft über Bauverfahren und den (gestreckten) Zeitrahmen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Besichtigung betraf die anspruchsvollen Arbeiten, die noch vor den Bauleuten liegen. Besonders herausfordernd wird das Herstellen der festen Fahrbahn sein, die aus über 100 m langen Teilstücken am Stück sein wird. Sie wird am Boden gefertigt und dann mit Pressen hochgehoben, damit die schwingungsfreien Lager eingebaut werden können. Diese Lager ermöglichen dann, dass der Zugverkehr durch die speziellen Silikonkissen keine oder so geringe Schwingungen weitergibt, dass die hochempfindlichen Messgeräte der nahegelegenen LMU nicht beeinträchtigt werden. Tobias erläuterte, dass bereits geringste Erschütterungen wissenschaftliche Messungen stören könnten, weshalb an diesen Streckenabschnitt besonders hohe technische Anforderungen gestellt werden, die so noch nie am Stück gebaut wurden.

Dagegen wirken die aufwändig gestalteten „Augen“ in der Deckenkonstruktion sowie die Intarsienarbeiten für den späteren Namenszug der U-Bahn-Station beinahe wie Selbstläufer. Tatsächlich stellen jedoch auch diese Arbeiten für sich genommen jeweils eine besondere handwerkliche und technische Herausforderung dar.

Mit der Fertigstellung der Strecke wird eine deutliche Verbesserung der Verkehrsanbindung erwartet. Die U-Bahn soll den Autoverkehr reduzieren, die Erreichbarkeit des Forschungsstandorts stärken und den öffentlichen Nahverkehr im Münchner Westen attraktiver machen.